Die Versorgungslücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das Sie im Ruhestand brauchen (oder anstreben), und dem, was aus Versorgung, Rente und betrieblicher Vorsorge voraussichtlich fließt. Wer diese Lücke kennt, kann gezielt vorsorgen. Dieser Artikel führt Sie in 5 Schritten von Ihrem heutigen Einkommen bis zur berechneten Lücke und zeigt, wie Sie daraus Ihren Vorsorgebedarf ableiten.
Versorgungslücke in 5 Schritten berechnen – für Einsatzkräfte
Das Wichtigste in Kürze
• Versorgungslücke = gewünschtes Ruhestandseinkommen minus voraussichtliche Versorgung/Rente minus betriebliche Altersvorsorge; der Rest muss privat abgedeckt werden.
• Schritt 1: Aktuelles monatliches Nettoeinkommen ermitteln (inkl. Zulagen, die im Ruhestand wegfallen können).
• Schritt 2: Ziel-Ruhestandseinkommen festlegen (Faustregel oft 70–80 % des letzten Nettos, abhängig von Lebensstandard und Schulden).
• Schritt 3: Voraussichtliche Versorgung/Rente schätzen (Bescheid, Renteninformation, VBL-Auskunft) – in heutigen Euro, ohne Inflation.
• Schritt 4: Betriebliche Altersvorsorge (z. B. VBL, Pensionsfonds) abziehen; Rest = Lücke pro Monat/Jahr.
• Schritt 5: Lücke kapitalisieren oder als monatlichen Vorsorgebedarf interpretieren und mit privater Vorsorge (Rürup, private Rente, Kapitalanlage) schließen.
Schritt 1: Aktuelles Nettoeinkommen ermitteln
Grundlage ist Ihr monatliches Nettoeinkommen – also das, was nach Steuern und Sozialabgaben auf Ihrem Konto ankommt. Bei Beamten: Nettobesoldung inkl. familienbezogener Zulagen, die im Ruhestand entfallen (z. B. Kinderzulage). Bei Angestellten: Nettogehalt inkl. typischer Zulagen. Wichtig: Gehen Sie von einer realistischen Größe aus (z. B. Durchschnitt der letzten zwölf Monate oder aktuelle Abrechnung). Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) können Sie auf den Monat umlegen, um ein monatliches Äquivalent zu haben. Dieses Netto ist die Bezugsgröße für den nächsten Schritt.
Schritt 2: Ziel-Ruhestandseinkommen festlegen
Nicht jeder braucht im Ruhestand 100 % des letzten Nettos – oft reichen 70–80 %, weil z. B. Pendelkosten, Berufskleidung oder Sparquote wegfallen. Andere wollen ihren Lebensstandard halten und planen mit 90–100 %. Legen Sie eine Zielgröße fest: z. B. „80 % meines heutigen Nettos“. Rechenbeispiel: Netto heute 3.000 € → Ziel 2.400 €/Monat. Diese Zahl ist Ihr Ziel-Ruhestandseinkommen (in heutiger Kaufkraft).
Schritt 3: Voraussichtliche Versorgung oder Rente schätzen
Beamte: Die Versorgung (Ruhegehalt) wird aus Dienstzeiten und ruhegehaltsfähigen Bezügen berechnet. Grobe Orientierung geben Versorgungsauskunft oder Bescheid der Versorgungsstelle; für eine erste Schätzung können Sie auch Onlinerechner oder Faustformeln nutzen (z. B. letzte Besoldung × Versorgungsprozentsatz nach Dienstjahren). Angestellte: Maßgeblich ist die gesetzliche Rente (Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung) plus ggf. VBL (Zusatzversorgung). Tragen Sie die monatliche voraussichtliche Versorgung bzw. Rente ein – am besten für das geplante Renteneintrittsalter (z. B. 65 oder 67). Wenn Sie unsicher sind, lieber konservativ (etwas niedriger) schätzen.
Schritt 4: Betriebliche Vorsorge abziehen – die Lücke entsteht
Ziehen Sie von Ihrem Ziel-Ruhestandseinkommen ab: (1) die voraussichtliche Versorgung/Rente, (2) die betriebliche Altersvorsorge (z. B. VBL-Rente, betriebliche Rente). Was übrig bleibt, ist Ihre monatliche Versorgungslücke in heutigen Euro. Beispiel: Ziel 2.400 €, Versorgung 1.800 €, VBL 200 € → Lücke = 400 €/Monat. Diese Lücke müssen Sie durch private Vorsorge (Rürup, private Rentenversicherung, Kapitalanlage mit Entnahmeplan) schließen.
Schritt 5: Vorsorgebedarf ableiten und umsetzen
Aus der monatlichen Lücke leiten Sie Ihren Vorsorgebedarf ab: Wie viel müssen Sie ab heute monatlich (oder jährlich) ansparen, um bis zum geplanten Renteneintritt ein Kapital bzw. eine Rente zu erwirtschaften, die diese Lücke füllt? Dafür brauchen Sie Annahmen (Laufzeit, Verzinsung, Inflation). Ein Vorsorgerechner oder eine Beratung kann die konkrete Sparrate berechnen. Wichtig: Die Lücke kann sich ändern (Beförderung, Wechsel Dienstherr, Scheidung, Kinder) – daher die 5 Schritte regelmäßig (z. B. alle 2–3 Jahre) wiederholen und Verträge (Nachversicherung, Dynamik) anpassen.
Fazit
Die Versorgungslücke in 5 Schritten zu berechnen gibt Ihnen eine klare Größe für Ihre Altersvorsorge: Netto heute → Ziel im Ruhestand → minus Versorgung/Rente und betriebliche Vorsorge = Lücke. Diese Lücke mit privater Vorsorge zu schließen und die Rechnung regelmäßig zu aktualisieren, ist die Basis für eine passende Altersvorsorge. Weitere Fachartikel: Blaulichtversichert Blog.