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Versorgungslücke – in 5 Schritten berechnen

20.02.2026 |Allgemein

Die Versorgungslücke ist die Differenz zwischen dem, was Sie im Ruhestand monatlich brauchen (Ihr Bedarf), und dem, was Sie aus Versorgung (Pension, Rente) und privater Vorsorge voraussichtlich haben werden. Wer die Lücke beziffert, kann gezielt vorsorgen, Förderungen nutzen und Fehlplanung vermeiden. In der Beratungspraxis zeigt sich immer wieder: Viele Einsatzkräfte unterschätzen den Bedarf oder die Laufzeit im Ruhestand und stellen erst spät fest, dass die Versorgung allein nicht reicht. Diese 5-Schritte-Anleitung zeigt, wie Sie die Versorgungslücke systematisch berechnen – von der Bedarfsermittlung über die Ermittlung von Versorgung und Vorsorge bis zu den Handlungsoptionen. Die Schritte sind so aufgebaut, dass Sie sie mit vertretbarem Aufwand selbst durchgehen oder mit einem Berater durchsprechen können.

Das Wichtigste in Kürze

Schritt 1 : Monatlichen Bedarf im Ruhestand schätzen (Fixkosten, Lebenshaltung, Puffer) – realistisch, nicht zu knapp.

Schritt 2 : Versorgung (Pension/Rente) aus dem öffentlichen Dienst bzw. gesetzlicher Rente ermitteln – am besten mit offizieller Auskunft.

Schritt 3 : Private Vorsorge (Riester, VWL, bAV, Kapital) in monatliche Rente oder Entnahme umrechnen.

Schritt 4 : Lücke = Bedarf minus (Versorgung + private Vorsorge); positiv = es fehlt etwas.

Schritt 5 : Handlungsoptionen – mehr sparen, länger arbeiten, Ausgaben anpassen oder Kombination; die Lücke regelmäßig neu rechnen.

Schritt 1: Monatlichen Bedarf im Ruhestand schätzen

Frage: Wie viel Geld brauchen Sie pro Monat im Ruhestand, um Ihren Lebensstandard zu halten (oder bewusst zu reduzieren)?

Faustregel: Viele Planer rechnen mit 70–80 % des letzten Nettoeinkommens, weil im Alter manche Ausgaben wegfallen (Pendeln, Berufskleidung, ggf. geringere Kredite, keine Berufsversicherungen in gleicher Höhe). Diese Pauschalannahme ist nur ein Orientierungswert – je nach Lebensstil, Wohnsituation und Gesundheitsrisiken kann der Bedarf höher oder niedriger liegen. Genauer wird es, wenn Sie konkret auflisten:

Fixkosten : Miete oder Kredit (Restschuld und Zinsen bis zur Tilgung), Nebenkosten, Versicherungen (PKV/Beihilfe, Rechtsschutz, Haftpflicht, ggf. Hausrat), Auto/ÖPNV, Telefon/Internet, Rundfunkbeitrag.

Lebenshaltung : Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Freizeit, Urlaub, Geschenke, Hobbys – realistisch, nicht zu knapp kalkulieren, sonst wird die Lücke unterschätzt.

Puffer : Unvorhergesehenes (Reparaturen, Ersatzanschaffungen), Pflegevorsorge (Eigenanteil bei Pflegebedürftigkeit), ggf. Unterstützung für Angehörige.

Praxishinweis: Rechnen Sie lieber mit einem etwas höheren Bedarf als mit einem zu niedrigen. Eine Lücke von 100–200 € pro Monat über 20+ Jahre Ruhestand summiert sich auf einen erheblichen Fehlbetrag; besser jetzt einen Puffer einplanen. Die Summe aller Posten ergibt Ihren monatlichen Bedarf. Beispiel: 2.800 €.

Schritt 2: Versorgung aus dem öffentlichen Dienst bzw. Rente ermitteln

Beamte: Die Ruhestandsversorgung (Pension) hängt von Dienstzeit, Besoldung (bzw. den ruhegehaltfähigen Dienstzeiten und -bezügen) und ggf. Abschlägen bei vorzeitigem Ruhestand ab. Eine grobe Schätzung erhalten Sie über Versorgungsauskunft oder Pensionsrechner des Dienstherrn; für eine genauere Zahl die zuständige Versorgungsstelle anfragen. Wichtig: Bei vorzeitigem Ruhestand (z. B. mit 63 statt 67) werden in der Regel Abschläge auf die Pension angewendet – die monatliche Versorgung sinkt dauerhaft. Wer die Lücke berechnet, sollte also den tatsächlich geplanten Ruhestandseintritt und die dann geltenden Abschläge zugrunde legen.

Angestellte: Gesetzliche Rente – die Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung (jährlich abrufbar) zeigt die voraussichtliche Rente bei planmäßigem Rentenbeginn; bei mehreren Beschäftigungszeiten (verschiedene Arbeitgeber, Zeiten im Ausland etc.) alle Zeiten einrechnen und ggf. Beratung der DRV nutzen. Auch hier: Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn beachten.

Beispiel: Pension bzw. Rente voraussichtlich 2.200 € monatlich (nach Abzug ggf. Kranken- und Pflegeversicherung, je nach Darstellung der Auskunft).

Schritt 3: Private Vorsorge in monatliche Einnahme umrechnen

Erfassen Sie alle privaten Altersvorsorge-Bausteine und rechnen Sie sie in eine monatliche Einnahme im Ruhestand um:

Riester : Die geplante monatliche Rente steht im Vertrag oder kann mit dem Anbieter/Rechner ermittelt werden; beachten Sie die Ertragsanteilbesteuerung (die Nettorente nach Steuer ist relevant für Ihren Bedarf).

Rürup : Analog – geplante Rente, ggf. nach Steuer.

bAV : Betriebliche Rente aus Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds – aus der Leistungsmitteilung oder beim Arbeitgeber/Pensionsfonds erfragen.

VWL : Je nach Vertrag wird Kapital ausgezahlt oder in Rente umgewandelt; bei Kapital eine monatliche Entnahme ansetzen (z. B. über geplante Laufzeit verteilt oder als 3–4 % p. a. Entnahme).

Kapitalanlage (Aktien, Fonds, Festgeld): Geplante Entnahme – in der Literatur oft 3–4 % p. a. vom Kapital als nachhaltige Entnahmerate – als monatlicher Betrag (z. B. 4 % p. a. = ca. 0,33 % pro Monat vom Kapital).

Addieren Sie alle diese Beträge. Beispiel: Riester 200 € + bAV 150 € + VWL/Kapital 100 € = 450 € monatlich aus privater Vorsorge. Wichtig: Alle Beträge nach Steuer und in heutiger Kaufkraft oder mit einem realistischen Inflationspuffer denken – sonst wird die Lücke langfristig unterschätzt.

Schritt 4: Die Lücke berechnen

Formel:

Versorgungslücke = Bedarf − (Versorgung + private Vorsorge)

Beispiel:

Bedarf 2.800 € − (Versorgung 2.200 € + private Vorsorge 450 €) = 2.800 € − 2.650 € = 150 € Lücke (es fehlen 150 € pro Monat).

  • Wenn das Ergebnis negativ ist, haben Sie voraussichtlich mehr Einnahmen als Bedarf – dann können Sie Puffer einplanen, Ausgaben erhöhen oder früher in Rente gehen.
  • Wenn es positiv ist, fehlt genau diese Summe pro Monat – dafür brauchen Sie mehr Vorsorge, längere Arbeitszeit oder geringere Ausgaben. 150 € × 12 Monate × 25 Jahre Ruhestand = 45.000 € Fehlbetrag (ohne Zinseszins und Inflation) – ein Betrag, den Sie durch zusätzliche Sparrate, höhere Riester/bAV/VWL oder ein Jahr länger arbeiten ausgleichen können.

Schritt 5: Handlungsoptionen ableiten

Lücke schließen durch mehr Vorsorge : Riester, bAV, VWL oder Kapitalaufbau erhöhen; Förderungen (Zulagen, Steuervorteile) mitnutzen und untereinander abstimmen (keine Doppelförderung, Obergrenzen beachten).

Länger arbeiten : Jedes Jahr mehr Dienstzeit erhöht in der Regel die Versorgung (Pension/Rente) und verkürzt die Zeit im Ruhestand; Abschläge bei vorzeitigem Ruhestand entfallen oder sinken. Oft eine der wirksamsten Stellschrauben.

Ausgaben anpassen : Bedarf im Ruhestand bewusst senken (kleinere Wohnung, weniger Auto, weniger Reisen) – realistisch planen, nicht zu knapp.

Kombination : Etwas mehr sparen + etwas länger arbeiten + etwas weniger Ausgaben – in der Praxis oft realistischer als nur eine Stellschraube.

Die Versorgungslücke regelmäßig (z. B. alle 2–3 Jahre oder bei Gehaltserhöhung, Beförderung, Familienänderung) neu zu rechnen hilft, rechtzeitig nachzusteuern und mit gutem Gefühl in den Ruhestand zu gehen. Bei größeren Lücken oder komplexen Vorsorgebausteinen lohnt die Abstimmung mit einem Berater oder einer Versorgungsstelle.

Fazit

Versorgungslücke in 5 Schritten: Bedarf schätzen, Versorgung und private Vorsorge ermitteln, Lücke berechnen, Handlungsoptionen ableiten. Regelmäßig neu rechnen. Weitere Fachartikel: Blaulichtversichert Blog.

Quellen und weiterführende Informationen

Die folgenden Links führen zu offiziellen bzw. anerkannten Quellen und – am Ende – zu unserem Beratungsangebot für Einsatzkräfte.

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