Viele Polizistinnen und Polizisten gehen davon aus, dass der Beamtenstatus ihre Absicherung weitgehend regelt. In der Praxis entstehen jedoch Lücken, die erst bei genauerem Hinsehen sichtbar werden. Wer nach 15 Dienstjahren dienstunfähig wird, erhält deutlich weniger als erwartet. Wer die PKV nur nach dem Beitrag wählt, übersieht möglicherweise fehlende Leistungen bei Psychotherapie. Und wer die Altersvorsorge aufschiebt, hat am Ende zu wenig Spielraum. Dieser Beitrag zeigt die häufigsten Absicherungslücken und ordnet ein, mit welchen Bausteinen du sie schließen kannst.
Absicherung für Polizisten: Typische Lücken erkennen
Das Wichtigste in Kürze
• DU-Lücke: Wer nach 15 Dienstjahren dienstunfähig wird, erhält rund 27 Prozent der letzten Bezüge als Ruhegehalt. Ohne private DU-Versicherung entsteht eine Einkommenslücke von mehreren hundert Euro monatlich.
• PKV-Schwachstellen: Günstige Tarife sparen am Leistungsumfang. Psychotherapie, Rehabilitation und ambulante Heilmittel sind die Bereiche, in denen Polizisten im Einsatzdienst am häufigsten Leistungen benötigen.
• Vorsorge-Aufschub: Jedes Jahr ohne zusätzliche Altersvorsorge vergrößert die Versorgungslücke. Schon 200 Euro monatlich in einem breit gestreuten ETF-Sparplan ergeben über 20 Jahre bei durchschnittlicher Rendite einen hohen fünfstelligen Betrag.
Absicherung Polizisten planen: wo die typischen Lücken liegen
Die häufigste Lücke betrifft die Dienstunfähigkeit in den ersten Dienstjahren. Pro Dienstjahr steigt das Ruhegehalt um 1,79375 Prozent. Wer nach 15 Jahren ausscheidet, kommt auf rund 27 Prozent der ruhegehaltfähigen Bezüge. Bei einem Grundgehalt von 3.200 Euro in der Besoldungsgruppe A9 ergibt das ein Ruhegehalt von etwa 860 Euro. Die tatsächlichen Lebenshaltungskosten liegen für die meisten Familien deutlich darüber.
Die zweite typische Lücke entsteht bei der PKV. Polizisten mit Beihilfeanspruch versichern in der Regel 30 oder 50 Prozent privat. Wer nur auf den Monatsbeitrag schaut, übersieht oft eingeschränkte Leistungen bei Psychotherapie und stationärer Rehabilitation. Gerade diese Bereiche sind im Polizeialltag relevant, weil Einsatzbelastung und Schichtdienst die psychische Gesundheit beeinflussen.
Altersvorsorge und Familienschutz: oft unterschätzte Bausteine
Die Beamtenversorgung erreicht den Höchstsatz von 71,75 Prozent erst nach 40 Dienstjahren. Viele Polizisten scheiden vorher aus oder wollen den Lebensstandard über die Grundversorgung hinaus halten. Wer mit Mitte 30 beginnt, monatlich 200 Euro in einen breit gestreuten ETF-Sparplan zu investieren, kann über 20 Jahre bei einer angenommenen Rendite von sechs Prozent ein Kapital von rund 92.000 Euro aufbauen. In Kombination mit Riester-Zulagen und vermögenswirksamen Leistungen verkleinert das die Versorgungslücke spürbar.
Der Familienschutz gehört ebenfalls zur Absicherungsplanung. Beihilfe für Ehepartner und Kinder greift nur unter bestimmten Einkommensgrenzen. Eine Risikolebensversicherung sichert den Hinterbliebenenfall ab und kostet bei Polizisten im mittleren Alter oft weniger als 15 Euro monatlich.
Bausteine zusammenführen: ein realistischer Absicherungsplan
Ein strukturierter Absicherungsplan für Polizisten umfasst vier Ebenen: Einkommensschutz durch DU oder BU, Gesundheitsschutz durch eine passende PKV, langfristige Vorsorge durch Riester, ETF oder bAV sowie Familienschutz durch Risikolebensversicherung und Beihilfeplanung. Die Reihenfolge orientiert sich am Grundsatz Existenzsicherung vor Vermögensaufbau.
Blaulichtversichert ordnet diese Bausteine regelmäßig für Polizisten ein und kann zeigen, welche Kombination zur individuellen Dienst- und Lebenssituation passt. Entscheidend ist, nicht alles gleichzeitig abzuschließen, sondern Prioritäten nach Dringlichkeit und Budget zu setzen.
Fazit
Wer als Polizist die Absicherung richtig planen will, beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: DU-Schutz, PKV-Leistungsumfang, Vorsorgelücke und Familienschutz. Die meisten Lücken lassen sich mit überschaubarem Aufwand schließen, wenn du die Bausteine in der richtigen Reihenfolge angehst und regelmäßig prüfst, ob sie noch zu deiner Lebenslage passen.
Weitere Fachartikel: Blaulichtversichert Blog.
Quellen und weiterführende Informationen
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